Über dieses Heft

Herausgeberinnen und Herausgeber / Editors

Abstract


Während die Zusammenhänge zwischen Erzählung / Erzählen und Identität bereits seit langem bekannt sind, beginnen wir erst langsam zu verstehen, wie digitale Medien individuelle und kollektive Formen der Selbstinszenierung beeinflussen, infrage stellen oder sogar fördern können. In diesem DIEGESIS-Themenheft untersuchen vier Aufsätze die Formen und Implikationen von Identitätskonstruktionen in Videospielen, auf Instagram sowie in öffentlichen Internetblogs.

Hans-Joachim Backe und Jan-Noël Thon erörtern, wie narrative Videospiele wie The Stanley Parable und The Beginner’s Guide ihre Spieler in Relation zu ihren Avataren sowie ihren Erzähl- und Autorfiguren positionieren, und zeigen dabei auf, dass die narrative Vermittlung und Metareferentialität in diesen Spielen einen ähnlichen Grad an Komplexität erreichen wie in literarischer Fiktion. Matías Martínez und Antonius Weixler analysieren das Spannungsfeld zwischen (vermeintlicher) Authentizität und Banalität, das in neuen medialen Dispositiven wie Googles selfie spots (bevorzugte Selfie-Locations, die Google durch die Analyse von Instagram-Profilen identifiziert) und Snapchats Stories zum Vorschein kommt. Sebastian Löwes Beitrag unterzieht die Praktiken von Instagram-Influencer*innen einer narratologischen Analyse und gewährt auf diese Weise einen Einblick sowohl in die Medienstruktur dieses Onlineformats als auch seine visuellen und rhetorischen Strategien. In ihrem Beitrag, der im Kontext aktueller Debatten zu medizinischen Narrativen steht, untersucht Ida Melander, wie das Teilen von Fotos und Informationen auf öffentlichen Instagram Accounts es fünf an Endometriose leidenden Frauen ermöglicht, ihre Erfahrungen mit dieser chronischen Krankheit zu verarbeiten.

Das Heft wird beschlossen von einem Interview mit Sylvie Patron, Professorin für Französische Sprache und Literatur an der Université Paris Diderot / Université de Paris, Frankreich, in unserer „My Narratology”‑Rubrik sowie Christine Schwaneckes Rezension zu Jan Horstmanns jüngstem Vorschlag einer Theaternarratologie.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ertragreiche Lektüren.